„Ärztemund“

Immer wieder werden Frauen im Gespräch mit Ärzteschaft oder Personal Suggestivfragen gestellt. Das heißt, es wird von vornherein die gewünschte Antwort bzw. eine Wertung in die Fragestellung gelegt. Ein paar Beispiele gefällig?

„Möchten Sie, dass ich Sie verstümmle?“

Unterstellung:
Frauen, die sich gegen eine Brustrekonstruktion entscheiden, ist es egal, wie sie nach der Mastektomie aussehen.

Antwortvorschlag:
„Na, klar, da stehe ich total drauf!“ (Just kidding… )

„Nein, ich möchte, dass Sie sich bei der Mastektomie genau so viel Mühe geben, wie bei einer Brustrekonstruktion, denn ich wünsche mir einen gleichmäßig flachen Oberkörper ohne Hautüberschüsse, Wülste etc. Wenn Sie mit dieser Art der Brustrekonstruktion keine Erfahrung haben, überweisen Sie mich bitte an jemanden mit mehr Erfahrung.“

„Aber Sie sind doch noch so eine junge Frau!“

Unterstellung:
Je jünger eine Frau, desto wichtiger ist es, äußerlich makellos zu sein. (Und für eine Brustrekonstruktion andere Nachteile in Kauf zu nehmen.)

Antwortvorschlag:
„Gerade weil ich so jung und mit einer ernsten Krankheit konfrontiert bin, möchte ich meinem Körper keine unnötigen Operationen zumuten und ihn möglichst fit halten. Meine Muskeln sollen da bleiben, wo sie hingehören. Und ich möchte mich auch nicht noch mindestens 2 bis 3 weitere Male im Leben für einen Implantatwechsel unters Messer legen.“

„Wollen Sie denn keinen Partner mehr?“

Unterstellung:
Eine Frau muss eine fehlende Brust rekonstruieren lassen, damit sie eine/n Partner/in finden kann bzw. damit sie ihre/n Partner/in nicht verliert.

Antwortvorschlag:
(Optional ein bisschen Luft ablassen: „Gut, dass Sie danach fragen. Darüber hab ich noch nie nach gedacht. – Machen Sie Witze?! Verdammt noch mal, natürlich hab ich eine Sch***angst, alleine dazustehen. Glauben Sie im Ernst, dass ich mich leichtfertig dafür entschieden habe?)

„Zuallererst muss ich selbst mit meinem Körper zurecht kommen und eine Rekonstruktion kommt für mich nicht in Frage. Wenn (m)ein/e Partner/in das nicht akzeptieren kann, werde ich traurig/enttäuscht sein. Aber ich werde keine Rekonstruktion gegen meine Überzeugung durchführen lassen, nur um jemandem zu gefallen.“

Eine ähnliche Frage lautet:

„Wollen Sie Ihrem Mann das Spielzeug wegnehmen?“

Das erinnert mich an einen Gynäkologen, den ich als junge Frau wegen einer hartnäckigen und lästigen Infektion aufgesucht hatte. Er stellte mir ein Rezept aus und übergab es mit den Worten „Da kann ER bald wieder ran.“

Darüber hinaus werden auch gern Macht-Worte in Form von „Basta!-Sätzen“ ausgesprochen. Damit wird ganz deutlich kundgetan, dass es jetzt genug ist und eine Fortführung des Gesprächs nicht gewünscht ist, z.B.:

„Gehen Sie erst zu einem Psycho-Onkologen!“

Unterstellung:
Es ist nicht normal, wenn eine Frau sich gegen eine Brustrekonstruktion entscheidet. Sie muss nachweisen, dass sie nicht an einer psychischen Störung leidet, bevor ich ihre Entscheidung akzeptiere.

Antwortvorschlag:
„Schicken Sie auch Frauen, die sich trotz der damit verbundenen Nachteile und Risiken für eine Brustrekonstruktion entscheiden zum Psychoonkologen? Dann nehme ich das Angebot gern an. Ich finde es nämlich richtig gut, wenn es bei schwierigen Entscheidungen für alle Frauen ein psychologisches Beratungsangebot gibt. “

„Ich amputiere keine gesunde Brust.“

(In Klammern: Ich bin Arzt und ein gesundes Organ zu entfernen, ist gegen meinen Berufsethos. Ende der Diskussion.)

Antwortvorschlag:
„Für Rekonstruktionen mit Eigengewebe werden gesunde Körperstrukturen beschädigt. Für Rekonstruktionen mit Implantaten werden Nebenwirkungen und Folgeoperationen (=Belastungen für den Körper) in Kauf genommen. Ich möchte aber so rasch und sicher wie möglich wieder gesund sein. Dazu gehört auch, dass ich mich in meinem Körper wohl fühle. Für mich gehört zum Wohlbefinden eine symmetrische Gestalt und ich bitte dafür um ihre ärztliche Unterstützung*. “

*ggf. auch bei der Entfernung der 2. Brust

(Gesundheit ist definiert als psychisches, physisches und soziales Wohlbefinden. Der Wert einer gesunden Brust sollte nicht höher bewertet sein als das gesundheitliche Wohlbefinden einer Frau insgesamt oder?)